Ölplattformen transportfähig gemacht

PRESSE: Wirtschaftsspiegel der IHK Münster 4/2001

Mit Superkleber nach Feuerland

Manche Dinge lassen sich nur schwer transportieren - Ölplattformen zum Beispiel, die um den halben Kontinent verschifft werden sollen. Ein Superkleber zur Stabilisierung der Stahlstützen während der Reise, für diesen Zweck speziell entwickelt von der münsterschen Weidling GmbH, löste das Transportproblem. Mit dieser weltweit einzigartigen Methode gehört das Traditionsunternehmen zu den “Hidden Champions” in der Region.
Die Ölplattform “Glomar Labrador I” hatte ihren Bohrauftrag in den Gewässern um Feuerland abgeschlossen. Der nächste Einsatzort für Probebohrungen sollte die Küste von Venezuela sein. Die Plattform musste auf einem Spezialtransportschiff von der Südspitze bis in den Norden Südamerikas gebracht werden. Das Problem waren die rund 120 Meter hohen Standbeine, die für den Transport nicht mehr unter der Meeresoberfläche liegen, sondern nach oben ausgefahren werden. Jedes dieser circa 1100 Tonnen schweren Stahlbeine wird in Führungen gehalten.

Rund 1 Million Flaschen Sekundenkleber werden pro Jahr bei Weidling, hier Geschäftsführer Ralph Weidling (l.) mit einem Mitarbeiter, abgefüllt.



Die 120 Meter hohen Stahlbeine der Ölplattform wurden auf dem Schiff mit
WEICON-Kleber transportfähig gemacht.
“Verklebte” Stahlbeine auf hoher See
“Bei früheren Versuchen, die kolossalen Träger während der Fahrt mit Stahlplatten zu fixieren, wäre durch die Schiffsbewegungen bei dem heftigen Wellengang fast die Plattform zerstört worden”, weiß Ralph Weidling, der Geschäftsführer der Weidling GmbH in Münster. Sein niederländischer Handelspartner, der technischen Service für Bohrinseln anbietet, sah eine Möglichkeit, das Transportproblem mit speziellen Kraftklebstoffen zu lösen - und rief bei Ralph Weidling an. Dies war eine Herausforderung für den Unternehmer, dessen Firma unter dem Produktnamen WEICON auch Klebstoffe entwickelt und produzieren lässt. “Wir haben für diesen Auftrag eine Spezialvergussmasse auf Basis eines Zwei-Komponenten-Klebers hergestellt”, erläutert Weidling. Der Klebstoff musste den dort herrschenden niedrigen Außentemperaturen um den Gefrierpunkt angepasst werden. Durch eine weitere Komponente wurde das WEICON-Produkt schlagfest und konnte den Stößen der Standbeine selbst in hoher See widerstehen.
Außergewöhnlicher Einsatz
Mit 2,5 Tonnen des neu entwickelten Klebstoffes flog Ralph Weidling in den südamerikanischen Winter nach Chile, um dort in zehn Tagen zusammen mit einem Ingenieurteam seines niederländischen Partners die Plattform transportfähig zu machen. Hier musste über dem eiskalten Wasser mit extremer Strömung äußerst vorsichtig gearbeitet werden. Die Stahlträger wurden von Algen befreit und angewärmt, ebenso wie der Kleber, der warm besser verarbeitet werden konnte. In den Spalt zwischen Standbein und Führung legten die Spezialisten Plastiktaschen ein, die Zug um Zug mit den angemischten Produktkomponenten gefüllt wurden. Nacheinander wurden so alle Standbeine für den Transport gesichert.

Produkte in 64 Ländern
Lange nicht jedes WEICON-Produkt kommt zu so spektakulären Einsätzen. Hinter der Produktreihe steht das Traditionsunternehmen Weidling mit Sitz in Münster, 1947 von Ralph Weidlings Großvater Paul Wilhelm gegründet. Hier werden Abisolierwerkzeuge und seit den siebziger Jahren chemotechnische Produkte wie verschiedene Klebstoffe, Silicon oder Metallsprays für den technischen Fachhandel, Fachbetriebe und die Industrie entwickelt. Zu Weidlings Kunden gehören zum Beispiel Großunternehmen aus allen Industriezweigen. Die Produkte werden in 64 Länder weltweit exportiert.

Aufgrund der langen Erfahrung in vielen Bereichen der industriellen Produktion werden die Produkte und Methoden des Unternehmens ständig modifiziert, weiterentwickelt und Patente angemeldet. 75 Mitarbeiter, davon sind 20 fest im Außendienst beschäftigt, arbeiten für das Familienunternehmen - und stellen im Jahr rund eine Million Flaschen Sekundenkleber her. Auf eines ist Geschäftsführer Ralph Weidling besonders stolz: “Wir haben viele langjährige Mitarbeiter bei uns. Die Fluktuation ist gleich Null!”

Kein Zuckerschlecken
war die Arbeit an den
Plattformträgern.
Zwischen Stahlbeine und Halterung wurde der Komponenten-Kleber nach und nach eingefüllt.

Britta Zurstraßen
zurstrassen@muenster.ihk.de

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